Tipps für die Gebäudeverwaltung

Die richtigen Fragen stellen und Entscheidungen

sicher vorbereiten: feuchte Keller


Spätestens, wenn die Akten vermodern oder sich Schimmel auf Omas eingelagertem Lederkoffer bildet und die geliebte Modelleisenbahn zu rosten anfängt, treten Nutzer oder Eigentümer an die Gebäudeverwaltung heran und fordern diese auf, den Zustand abzustellen. Welche Aspekte muss eine Verwaltung beachten, wenn ein feuchter Keller zum Problem wird? Welche Begriffe werden unterschieden?

Nutzungsanforderungen

Eine Klärung der Situation beginnt mit der Hinterfragung der Erwartungen und Anforderungen des Kunden. Es kommt vor, dass Kunden beabsichtigen, einen 100 Jahre alten Keller ganz stylisch und unverputzt als Ausstellungraum zu nutzen. Dass dieser Raum feucht ist muss kein Bauschaden sein, sondern liegt auch daran, dass früher die Feuchte in diesen Kellern gerne gesehen wurde. Sie trug dazu bei, dass sich eingelagertes Gemüse länger frisch hielt. Die beabsichtigte Nutzung erfordert einen Systemwechsel, von dem alle Bauteile betroffen sind. Der Aufwand, der zur Anpassung solche Räume an moderne Vorstellungen nötig ist, kann erheblich sein. Sind sich die Kunden dessen bewußt, ist das wirklich gewünscht? Manchmal reichen auch einfache Maßnahmen - wie die Verbesserung der Lüftung - zur Behebung der Probleme.

Belastungsfälle

Bei der Beurteilung der vorgefundenen Bausubstanz werden vier mögliche Eintrittswege von Feuchtigkeit betrachtet. Die Feuchte, die auf den Wänden als Fleck sichtbar wird und zu Schimmel oder Ausblühungen führen kann, kommt nicht immer von außen. Häufig wird Sie mit der feuchten Luft in den Raum eingetragen. Sie kondensiert dann auf kalten Kellerwänden, schädigt den Anstrich oder bildet die Grundlage für Schimmelwachstum. Nicht selten werden gleichzeitig mehrere Ursachen angetroffen.


Kann man Kondensat als Ursache ausschließen und ist aufgrund der Untersuchungen anzunehmen, dass das Wasser von außen kommt, wird unterschieden zwischen "nicht - drückendem Wasser" und "drückendem Wasser". Im Normalfall ist der Boden rund um den Keller gut wasserdurchlässig. Das Regenwasser, das als Sickerwasser am Haus entlang nach unten läuft oder die sogenannte Bodenfeuchte belasten das Abdichtungssystem nur gering und es sind nur geringe Schutzmaßnahmen gegen Wasser erforderlich. Wenn aber der Boden nicht durchlässig ist, staut sich das Wasser entlang der Außenwand und es bildet sich eine Wassersäule, die durch ihren Druck das Abdichtungssystem beansprucht. Ein besonderer Schwachpunkt ist der Fußpunkt der Kellerwand. Hier ist die Belastung am größten und sind wegen des Konstruktionswechsels besondere Maßnahmen erforderlich. Man spricht von einer "Horizontalsperre".

Bodengutachten

Eine Belastung der Kelleraußenbauteile durch Grundwasser oder Hochwasser ist der schwierigste Belastungsfall. Eine solche Belastung kann auftreten in Senken, ehemaligen Auen oder Feuchtgebieten oder entlang von Bächen. In einem solchen Fall muss konstruktiv eine Wanne ausgebildet werden. Da man solche Konstruktionen heutzutage meistens aus Beton fertigt spricht man von "weißen Wannen". Die Bodendurchlässigkeit und die Höhe des Grundwasserspiegels werden von Geologen ermittelt. Diese Angaben sind wichtiger Bestandteil eines Bodengutachtens, das vom Architekten für die Planung angefordert wird und möglicherweise noch in einer alten Bauakte vorhanden ist.

Kondensatvermeidung

In Räumen mit hochwertiger Nutzung muss die Bildung von Kondensat vermieden werden. Das erreicht man durch Anhebung der Temperatur der Wandoberfläche. Hierzu muss die Wand mit einer Wärmedämmung versehen werden. Wenn sowieso eine Baugrube gegraben werden muss, bietet es sich an eine Außenwärmedämmung anzubringen. Diese ist bauphysikalisch vorteilhafter als eine Innenwärmedämmung. Wenn man die Kelleraussenwand nicht freilegen kann, kann man mit einer Innenwärmedämmung dennoch einen Raum gut nutzbar machen. Darüber hinaus ist es notwendig in Räumen mit hochwertiger Nutzung eine gute Lüftung sicher zu stellen.






Vertikal - Abdichtungssysteme

Bei einer Belastung durch nicht-drückendes Wasser von außen haben sich Systeme bewährt, die als kunststoffmodifizierte Bitumenbeschichtung (KMB) bezeichnet werden. Sie werden als Vertikalabdichtungssystem auf der Außenseite der Kellerwand angebracht, nachdem die Wand freigeschachtet wurde. Man kombiniert die Abdichtungsmaßnahme häufig mit Wärmedämmmaßnahmen und/oder mit dem Einbau von Dränungssystemen um die Kosten der teuren Erdarbeiten zu nutzen. Das Freilegen des Kellers muss sorgfältig geplant werden, um Schäden zu vermeiden (Grundbruchgefahr).


Vertikalabdichtungen können auch auf der Innenseite der Außenwand angebracht werden. Der enorme Vorteil besteht im Wegfall der Erdarbeiten. Der Nachteil besteht darin, dass die Wand nass bleibt und die Feuchte unter Umständen weiter nach oben steigt. Weitere Schwachstellen ergeben sich an anschließenden Innenwänden.

Horizontalabdichtungssysteme

Die Wahl des richtigen Systems zur Sperrung von aufsteigender Feuchte hängt stark vom verwendeten Baumaterial der Kelleraußenwand ab. Man kann bei Betonwänden im Allgemeinen davon ausgehen, dass Wasser nicht im Beton aufsteigt. Was man sieht, sind Schäden an der Arbeitsfuge zwischen Wand und Bodenplatte und gelegentlich Risse, die Wasser führen. Solche Undichtigkeiten können durch nachträgliches Verpressen mit Injektionsharzen beseitigt werden. Bei gemauerten Außenwänden ist eine sehr sorgfältige Voruntersuchung erforderlich, da sehr unterschiedliche Bedingungen angetroffen werden. Häufig gibt es Hohlräume, die erst verfüllt werden müssen um die Voraussetzung für eine nachfolgende chemische Abdichtung durch Injektionen zu schaffen. Eine 100 - prozentige Erfolgsgarantie kann aber nur bei beim "Mauersägeverfahren" gegeben werden. Hierbei wird die Wand horizontal durchgesägt und es werden Edelstahlplatten in den Schnitt eingelegt.

Abdichtung der Bodenplatte

Bei Häusern aus den 50er und 60er Jahren beobachtet man nicht selten Feuchteschäden an Wänden und am Boden. Im Normalfall kann eine Reduzierung des Feuchteeintrags durch Verharzen der Risse erfolgen. Bei gehobenen Ansprüchen ist der Einbau einer Abdichtung mit Bitumenbahnen und eines gedämmten Estrichs zu empfehlen.

Dränungssysteme

Dränungen werden nach DIN 18195 eingesetzt um vorübergehend aufstauendes Sickerwasser schnell abzuführen. Sie sind nicht geeignet, Abdichtungen gegen drückendes Wasser zu ersetzen. Gut geplante Dränungen bestehen aus vertikalen Dränungen, Rohrleitungen, die im Gefälle verlegt wurden, Reinigungsschächten und einem Vorfluter. Leider zeigt eine Vielzahl von Schadensfällen, dass diese Systeme nicht immer nach den Regeln der Technik ausgeführt werden.

Anforderungen an die Ausführung

Die Arbeit mit flüssigen oder pastösen chemischen Stoffen erfordert ein hohes Maß an Sachkunde und Sorgfalt. Wesentliche Voraussetzung für den Erfolg ist das Arbeiten "im System" eines einzigen Herstellers. Es dürfen keine Produkte verschiedener Hersteller verwendet werden. Der Sachkundenachweis des ausführenden Mitarbeiters der Firma ist in Form von Teilnahme an Herstellerschulungen zu erbringen. Darüber hinaus sind Protokolle zu führen über die Ausführungsschritte. Eine engmaschige Durchführung von Schichtdickenprüfungen ist durchzuführen. Die Einhaltung von Trocknungszeiten ist zu überwachen.

Fazit

Die Abdichtung von Kellerräumen ist eine Forderung, die unserem modernen Nutzungsverständnis entspricht und teilweise mit hohem Aufwand verbunden ist. Es ist erforderlich die Nutzungserwartungen vor Auftragsvergabe zu klären. Eine Teilsanierung beinhaltet das Risiko, dass Feuchte an anderer Stelle eintritt und sich Enttäuschungen einstellen.

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